Facebook gelobt Besserung – Kein Grund zur Freude

Die breiten Proteste gegen den Abbau von Nutzerrechten bei Facebook haben scheinbar erste Früchte getragen. Denn nun kündigt Facebook Verbesserungen im Bereich Datenschutz an. Vielen gehen diese jedoch nicht weit genug.

Auf den ersten Blick scheint die vom Unternehmen angekündigte Stärkung der Kontrollmöglichkeiten und Vereinfachung der bisher mehr als komplizierten Privatspäre-Einstellungen genau das zu sein, was Kritiker in den letzten Monaten wiederholt einem Mantra gleich forderten. Nun steht angeblich ein neues Konzept, welches den Datenschutz stärker in den Fokus der Strukturen des Sozialen Netzwerks rücken soll. Beraten wurde Facebook dabei sowohl vom Büro von Senator Charles Schumer – der ja zusammen mit drei weiteren amerikanischen Senatoren Facebook öffentlich stark kritisiert hatte – als auch anderen Organisationen und Verbänden wie dem "Center for Democracy and Technology", der "Consumer Action", dem "Future of Privacy Forum", der "Progress and Freedom Foundation", "NetChoice", dem "CATO Institute", "TRUSTe" – die Organisation, welche Facook ihr Privacy-Seal verleiht- , dem "Technology Policy Institute" und die "Information Technology and Innovation Foundation“. Es war ein beabsichtigtes und geplantes Zeichen des Entgegenkommens, diese Kritiker mit ins Boot zu holen, als über neue Nutzungsbedingungen und Datenschutzeinstellungen diskutiert wurde.

Eine genauere Betrachtung der von Facebook geäußerten guten Absichten zeigt jedoch, dass grundlegende Forderungen wie beispielsweise ein Opt-In statt eines Opt-Out Verfahrens nach wie vor konsequent ausgeklammert werden. Dies bedeutet, dass es für Nutzerinnen und Nutzer auch in Zukunft notwendig sein wird zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Privatspäre angemessen schützen zu können. „Der überfällige grundlegende Richtungswechsel beim Datenschutz wurde von Facebook heute nicht eingeleitet.“, so Malte Spitz, Gründer des parteiübergreifenden Bündnisses „Facebook privacy control – NOW!“. „Es muss vor allem gelten: "privacy by default" und nicht nur wie Zuckerberg sagte "simple by default".“

Laut der Präsentationvon Facebook soll ein neues Modell, nach welchem Anwendungen zukünftig ausdrücklich darauf aufmerksam machen, wenn sie auf persönliche Daten der Nutzerinnen und Nutzer zugreifen, in den kommenden Tagen und Wochen eingeführt werden. Wie das genau aussehen soll ist jedoch nicht bekannt und die datenschutzfreudlichkeit hängt sehr von der letztendlichen Ausgestaltung ab. Man wird daher noch abwarten müssen, wie und ob Facebooks Datenschutzpläne in die Tat umgesetz werden. "Auch wenn es noch einiges zu tun gibt, sind diese Änderungen ein Grundstein dessen, was die Leute möchten und verdienen.", sagte Leslie Harris, Präsidentin des "Center for Democracy and Technology" zu den Änderungen.

 

Gerade daher gilt es nun deutlich zu machen, dass man sich angesichts vieler Versprechungen und der gelobten Besserung nicht zurücklehnen darf. Denn die Plattform Facebook ist nur eines von vielen Beispielen für Unternehmen, welche die Sicherheit und informationelle Selbstbestimmung ihrer Kunden nicht ernst genug nehmen und dabei verkennen, dass sie sich durch datenschutzrechtlich bedenkliche Praktiken langfristig ins wirtschaftliche Abseits befördern.

 

 

Was wir brauchen sind daher gesetzliche Rahmenbedingungen für einen starken Datenschutz. Ein Datenschutzgesetz, welches den Anforderungen der sich zunehmend digitalisierenden Gesellschaft gerecht werden kann – auch in Sozialen Netzwerken. Bis dies gewährleistet ist, bleibt den Nutzerinnen und Nutzern noch die Möglichkeit, zur informationellen Selbstverteidigung überzugehen und durch die Nutzung der gegebenen Privatsphäre- Einstellungen bei Facebook zumindest das Schadenspotential für sich und seine Freunde zu minimieren.